Optische Kohärenztomographie


 

Untersuchungen und Verlaufskontrollen von Netzhauterkrankungen und Glaukom mit der optischen Kohärenztomographie (OCT)

Die bereits bereits erwähnte Spaltlampe ermöglicht Tiefenauflösung von Strukturen sehr gut im Bereich der vorderen Augenabschnitte. Im Bereich der hinteren Augenabschnitte, z.B. der Netzhaut, sinkt dann aber die Tiefenauflösung. Man sieht die Netzhaut dann so wie man die Berge von einem Flugzeug aus wahrnimmt. Man erkennt Höhenstrukturen, aber eine genaue Zuordnung zu einem Höhenprofil ist nicht möglich.

Das Verfahren der optischen Kohärenztomographie – an der Entwicklung waren auch namhafte Forscher der Universitätsklinik für Medizinische Physik der Medizinischen Universität Wien, wie Adolf Fercher, Wolfgang Drexler und Christoph Hitzenberger beteiligt – hat hier eine Revolution in der Augenheilkunde ausgelöst: die Netzhaut kann nun hochaufgelöst dreidimensional dargestellt werden und die Zuordnung von Läsionen zu Höhenprofilen, den einzelnen Netzhautschichten, ist nun möglich.

Revolutioniert hat dies vor allem die Betreuung von Patientinnen und Patienten die an häufigen Netzhauterkrankungen leiden, denn gleichzeitig kamen die ersten Anti-VEGF Therapien bei altersbedingter Maculadegeneration (AMD), bei Netzhautschwellung infolge eine Diabetes (diabetisches Maculaödem, DME, CSME) und bei Netzhautschwellungen nach Gefäßverschlüssen (CME bei BRVO, CME bei CRVO) auf den Markt.

Weiters erweiterte das OCT Verfahren die Diagnostik im Rahmen des Grünen Stars (chronischen Glaukoms) beträchtlich. Durch das dreidimensionale Verfahren kann die Sehnervenschicht (RNFL) um den Bereich des Sehnervenkopfes segmentiert und quantifiziert werden, wie auch die innerste Zellschicht, die Ganglienzellschicht (GCL) im Bereich um die Macula, dem Zentrum des schärfsten Sehens. Im Rahmen der Erstuntersuchung lässt sich feststellen ob auffällige Bereiche des Sehnervenkopfes im Rahmen der Funduskopie (Untersuchung der Netzhaut und des Sehnerven an der Spaltlampe) mit den entsprechenden Arealen der RNFL und GCL im OCT korrelieren. Der größte Vorteil dieser Methode beruht aber in der Verlaufskontrollen. Hier lässt sich feststellen, ob sich Bereiche der RNFL/GCL im zeitlichen Verlauf überdurchschnittlich verdünnen und somit eine drucksenkende Therapie einzuleiten oder zu erweitern ist.

Ein neues Gebiet des OCT Verfahrens hat sich nun auch im Bereich der Neuroophthalmologie etabliert. So erweist sich die OCT Untersuchung in der Augenheilkunde, neben der MRT Untersuchung in der Radiologie, immer häufiger als unterstützendes bildgebendes Verfahren bei einigen neurologischen Erkrankungen, wie z.B. der Multiplen Sklerose (MS). So kann zum Beispiel bei Verdacht auf MS ein Scan des Sehnervenkopfes Aufschluss geben ob einmal ein stummer (nicht bemerkter) Entzündungsschub stattgefunden hat.

Durch den Aufbau und die Leitung des Vienna Reading Centers von 2012 bis 2017 konnte ich mit meinem Team viele Tausende OCT Untersuchungen bei unterschiedlichsten Erkrankungen analysieren und für große Studien zur Verfügung stellen. Diese Erfahrung möchte ich nun meinen eigenen Patientinnen und Patienten zugute kommen lassen.

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